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Böse Philosophen: Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung

Carl Hanser Verlag, München, 7. März 2011
ISBN-10 3446236481
ISBN-13 978-3446236486
Gebunden, 416 Seiten, 24,90 EUR



Paris, wenige Jahre vor Ausbruch der Revolution: Im Salon des Barons d'Holbach treffen sich regelmäßig die besten Köpfe Europas. Denis Diderot, David Hume, Laurence Sterne, Jean-Jacques Rousseau und viele andere Denker des 18. Jahrhunderts streiten um eine zeitgemäße Philosophie, die die Religion hinter sich lässt und allein auf die Kraft des Verstandes setzt, aber auch den Leidenschaften angemessenen Platz einräumt. Philipp Blom erzählt ein Kapitel europäischer Geschichte und bringt die radikale Variante der Aufklärung wieder in Erinnerung, die eine Idee von einer wirklich menschlichen Gesellschaft hatte. Ein historisches Meisterstück und philosophisches Plädoyer zugleich.

"Philipp Blom hat mit seinem fesselnden philosophischen Panorama, mit seiner Schilderung der Welt der Intellektuellen in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts ein Tor zu neuer Befassung mit ihnen aufgestoßen. Erst wenn man den Kreis soweit schlägt, wie er es tut, kommen kulturgeschichtliche Zusammenhänge in den Blick, die von den heute üblichen monographischen Darstellungen nicht erfasst werden."

Henning Ritter, FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, 10.03.11

"Philipp Blom rehabilitiert die "bösen Philosophen" der Aufklärung. ... Ein ebenso gelehrtes wie amüsantes Buch. ... Die philosophischen Fragen, um die damals gerungen wurde, breitet Blom mit leichter Hand vor uns aus. Reichlich eingestreute Anekdoten sorgen dafür, dass wir auch in den theorielastigen Passagen nicht die Geduld verlieren."

Jörg von Uthmann, DIE WELT, 12.03.11

 

  • Der taumelnde Kontinent
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Der taumelnde Kontinent
Europa 1900-1914

Carl Hanser Verlag, München 2009
ISBN-10 3446232923
ISBN-13 9783446232921
Gebunden, 528 Seiten, 25,90 EUR



„Der taumelnde Kontinent“ ist eine packende Gesamtschau, die alle großen Spieler des Geschehens in den Blick nimmt….Vielleicht muß man im Wortsinn frei sein, also auch frei von der Notwendigkeit, sich den akademischen Karrierezwängen und Moden der political correctness beugen zu müssen, um derart unaufgeregt und souverän Zeit und Zeitgeist in England, Frankreich, Deutschland und Rußland unter die Lupe nehmen zu können. Das beschert dem Leser nicht nur ein immenses Lesevergnügen, sondern auch die Relativierung jener Schreckgespenster, die die Fixierung auf den „Weg in die Katastrophe“ erzeugt hat.
Cora Stephan. Erschienen, Die Welt

Der Historiker Philipp Blom hat ein geradezu schwindelerregendes Buch darüber geschrieben, wie sich unsere Welt vor hundert Jahren veränderte.

Johanna Adorján, FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG

Christoph Jahr ist sehr beeindruckt von Philipp Bloms Geschichte über das erste Jahrzehnt in Europa. Das 20. Jahrhundert beginne in unserem heutigen Bewusstsein meist erst 1914, die Zeit davor werde angesichts des Schreckens des Weltkrieges als "Belle Epoque" verklärt. Dass dem nicht so ist, zeige Blom in "Der taumelnde Kontinent" souverän und mitreißend, so Jahr. Die Zeit des Fin de Siecle war geprägt durch grundlegende Erschütterungen: Psychoanalyse, Industrialisierung, Technik und Wissenschaft führten zu einer großen Verunsicherung, die schnell in "aggressive Zurschaustellung von Männlichkeit, Militarismus, Imperialismus und Kolonialismus umschlug". Dies sei Bloms Meinung nach der springende Punkt für die gesamte Entwicklung des kommenden Weltkriegsjahrhunderts: Technische und psychoanalytische Innovationen relativierten Männlichkeitsvorstellungen von Kraft und Dominanz, die von Selbstzweifeln geplagten Männer zogen sich Uniformen an, um sich selbst ihre Stärke und Geschlossenheit zu demonstrieren. Der Rezensent bescheinigt dem Autor ein gelungenes Panorama der Epoche, wenngleich er es dennoch für wichtig erachtet, den Ersten Weltkrieg als das richtungsweisende Ereignis des beginnenden Jahrhunderts zu sehen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.05.2009

Einen etwas ambivalenten Eindruck hat Philipp Bloms Buch "Der taumelnde Kontinent" bei Rezensent Manuel Karasek hinterlassen. Auf der einen Seite hat er einen Menge Lob für das Werk übrig. So attestiert er dem Autor, mit der Darstellung der 15 Jahre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu zeigen, "wie das moderne Europa entstand". Ja, das Buch ist für ihn ein attraktives und instruktives Porträt einer spannenden Epoche. Besonders gefallen hat ihm dabei der geschickte Einsatz von höchst interessantem Material sowie die nie langweilige, packende Darstellung. Auf der anderen Seite kommt Karasek nicht umhin, die Schwächen des Buchs anzusprechen. Diese sieht er vor allem darin, dass Blom zu stark auf das narrative Moment setzt, statt mehr "Deutungsmuster" zu suchen. Außerdem kriege er sein reichhaltiges Material bisweilen nur über Redundanzen in den Griff. Karaseks Fazit: ein gutes Buch, dem allerdings "von Zeit zu Zeit das Bezwingende" fehlt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.04.2009
Philipp Bloms Buch über Europa vor dem Ersten Weltkrieg hat Rezensent Thomas Speckmann sichtlich beeindruckt. Dem Historiker gelingt es in seinen Augen, die Zeit zwischen 1900 und 1914 lebendig werden zu lassen, eine Zeit, die eine Fülle von Neuerungen brachte, von der Psychoanalyse über Quantenphysik bis zur Frauenrechtsbewegung. Besonders faszinieren Speckmann die vielen Ähnlichkeiten zur Gegenwart - Unsicherheit, Terror, Globalisierung -, die der Autor hervorhebt. Tatsächlich beschreibe Blom die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg als die unsrige. Auch sprachlich hat Speckmann das Buch vollauf überzeugt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.03.2009
Angela Gutzeit zeigt sich beeindruckt nicht nur angesichts der schieren Materialfülle, die der Autor in seinem Buch verarbeitet hat, sondern auch von dem "forschen Gestus", mit dem der junge Historiker Philipp Blom antritt, Geschichtsschreibung und Literatur stilistisch elegant und temperamentvoll zu vermischen. Laut Gutzeit gelingt Blom ein unverstellter Blick hinter die Kulissen, in Milieus und Biografien, der die 15 Jahre vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges als erregtes Experimentierlabor des modernen Menschen begreift. Diesem unbekümmerten Blick zu folgen, kostet die Rezensentin manchmal allerdings durchaus Mühe. Insbesondere, wenn die Schauplätze (Deutschland, England, Frankreich, Russland) und Perspektiven im Dienste einer Sichtbarmachung gegenseitiger Dynamisierungen allzu rasch wechseln. Beim Versuch, die kurze Epoche mit dem Heute zu parallelisieren, steigt Gutzeit dann aus. Zu reißerisch, zu bemüht, findet sie. Ach, und hätte nicht eine weniger kunstvolle, weniger lückenlose Konstruktion dem Buch vielleicht besser getan? Was für ein merkwürdiger Einwand, findet die Rezensentin selbst.


  • Das vernünftige Ungeheuer
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Das vernünftige Ungeheuer

Diderot, d'Alembert, de Jaucourt und die Große Enzyklopädie

Die Andere Bibliothek/Eichborn, Frankfurt am Main 2005
ISBN-10 3821845538
ISBN-13 9783821845531
Gebunden, 466 Seiten, 27,50 EUR

 

Klappentext
Aus dem Englischen von Michael Bischoff. Ein paar junge Leute machten sich anno 1750, um ihre Miete zu bezahlen, an eine bescheidene Arbeit: sie übersetzten ein simples Lexikon aus dem Englischen. Im Lauf der Zeit wuchs sich dieses Vorhaben zum größten verlegerischen Unternehmen des Jahrhunderts aus, zu einem Werk, das derart gefährlich und subversiv war, dass seinen Urhebern das Gefängnis, wenn nicht gar die Hinrichtung drohte. Die Zensur war ihnen ständig auf den Fersen, und der Papst belegte es mit dem Kirchenbann. Am Ende lagen 27 Bände mit 72.000 Artikeln, 16.500 Seiten, 2.900 Illustrationen und 17 Millionen Wörtern vor. Die Autoren der Encyclopedie zählten zu den größten Geistern ihrer Zeit. Neben den Herausgebern Diderot, d'Alembert und de Jaucourt waren Voltaire, Rousseau und hunderte von andern mit von der Partie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.12.2005

Philipp Blom biete keine neuen Hintergrundsgeschichten und Erkenntnisse, so Rezensentin Sonja Asal, dafür aber eine "leichthändig" und zugleich "spannend" geschriebene Darstellung zur Entstehung der Großen Enzyklopädie. Die ursprünglich eigentlich ganz klein geplant gewesen sei, als nur zwei Bände umfassende Übersetzung eines englischen Lexikons. Der Autor, so Asal, erzähle die Geschichte der Enzyklopädie und damit der Aufklärung mit Fokus auf die hohen und niederen Motivationen von Einzelpersonen. Darüber gerate zwangsläufig der Blick auf "die Ideengeschichte" in den Hintergrund, beispielsweise das Denken von Jean-Jaques Rosseau. Seine Person tauche gleichwohl auf, jedoch als eine von vielen "schablonenhaft gezeichneten Gestalten". Dagegen gebe der Autor ein überaus "kunstvolles" Panorama der Stadt Paris. Als Orientierungshilfe für Schubladenliebhaber oder Bibliothekare beschreibt die Rezensentin Bloms Buch als "Synthese" von Biografie (Denis Diderot), Entstehungsgeschichte und Darstellung des Verlagswesens.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2005
Rezensentin Ursula Pia Jauch wirft zunächst die Frage in den Ring, ob die Geschichte der Enzyklopädie überhaupt noch einmal mit Gewinn erzählt werden könne, um sie dann mit ihrer Besprechung als einziges großes "Ja" zu beantworten. Denn Philip Blom bereichere die bereits immense Enzyklopädie des Wissens über die große Enzyklopädie um die "seelischen Narben" und kleinen Alltagsdetails derjenigen, die sie geschrieben hätten. So seien auch neue Gewichtungen entstanden wie bei der Frage nach der Freilassung Diderots. Nicht allein die bekannten wirtschaftspolitische Sachzwänge seien hier Ausschlag gebend gewesen, sondern auch, dass Diderot "schwach" und "geständig" geworden sei. Solche Details, berichtet die Rezensentin, machten aus Bloms Darstellung eine "Art Wissenschaftsroman". Schon im Untertitel hebe Blom außerdem den "verkanntesten Hauptlieferanten" Chevalier de Jaucourt hervor, der über siebzehntausend Artikel geschrieben habe, insbesondere den legendären über die Sklaverei. Nur manchmal, zückt die Rezensentin zuletzt doch den Kritikerstift, verliere sich Bloms "leicht und spannend" zu lesende Darstellung in "allzu sehr Bekanntem".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.12.2005

Philipp Blom biete keine neuen Hintergrundsgeschichten und Erkenntnisse, so Rezensentin Sonja Asal, dafür aber eine "leichthändig" und zugleich "spannend" geschriebene Darstellung zur Entstehung der Großen Enzyklopädie. Die ursprünglich eigentlich ganz klein geplant gewesen sei, als nur zwei Bände umfassende Übersetzung eines englischen Lexikons. Der Autor, so Asal, erzähle die Geschichte der Enzyklopädie und damit der Aufklärung mit Fokus auf die hohen und niederen Motivationen von Einzelpersonen. Darüber gerate zwangsläufig der Blick auf "die Ideengeschichte" in den Hintergrund, beispielsweise das Denken von Jean-Jaques Rosseau. Seine Person tauche gleichwohl auf, jedoch als eine von vielen "schablonenhaft gezeichneten Gestalten". Dagegen gebe der Autor ein überaus "kunstvolles" Panorama der Stadt Paris. Als Orientierungshilfe für Schubladenliebhaber oder Bibliothekare beschreibt die Rezensentin Bloms Buch als "Synthese" von Biografie (Denis Diderot), Entstehungsgeschichte und Darstellung des Verlagswesens.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2005
Rezensentin Ursula Pia Jauch wirft zunächst die Frage in den Ring, ob die Geschichte der Enzyklopädie überhaupt noch einmal mit Gewinn erzählt werden könne, um sie dann mit ihrer Besprechung als einziges großes "Ja" zu beantworten. Denn Philip Blom bereichere die bereits immense Enzyklopädie des Wissens über die große Enzyklopädie um die "seelischen Narben" und kleinen Alltagsdetails derjenigen, die sie geschrieben hätten. So seien auch neue Gewichtungen entstanden wie bei der Frage nach der Freilassung Diderots. Nicht allein die bekannten wirtschaftspolitische Sachzwänge seien hier Ausschlag gebend gewesen, sondern auch, dass Diderot "schwach" und "geständig" geworden sei. Solche Details, berichtet die Rezensentin, machten aus Bloms Darstellung eine "Art Wissenschaftsroman". Schon im Untertitel hebe Blom außerdem den "verkanntesten Hauptlieferanten" Chevalier de Jaucourt hervor, der über siebzehntausend Artikel geschrieben habe, insbesondere den legendären über die Sklaverei. Nur manchmal, zückt die Rezensentin zuletzt doch den Kritikerstift, verliere sich Bloms "leicht und spannend" zu lesende Darstellung in "allzu sehr Bekanntem".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.12.2005
Philipp Blom biete keine neuen Hintergrundsgeschichten und Erkenntnisse, so Rezensentin Sonja Asal, dafür aber eine "leichthändig" und zugleich "spannend" geschriebene Darstellung zur Entstehung der Großen Enzyklopädie. Die ursprünglich eigentlich ganz klein geplant gewesen sei, als nur zwei Bände umfassende Übersetzung eines englischen Lexikons. Der Autor, so Asal, erzähle die Geschichte der Enzyklopädie und damit der Aufklärung mit Fokus auf die hohen und niederen Motivationen von Einzelpersonen. Darüber gerate zwangsläufig der Blick auf "die Ideengeschichte" in den Hintergrund, beispielsweise das Denken von Jean-Jaques Rosseau. Seine Person tauche gleichwohl auf, jedoch als eine von vielen "schablonenhaft gezeichneten Gestalten". Dagegen gebe der Autor ein überaus "kunstvolles" Panorama der Stadt Paris. Als Orientierungshilfe für Schubladenliebhaber oder Bibliothekare beschreibt die Rezensentin Bloms Buch als "Synthese" von Biografie (Denis Diderot), Entstehungsgeschichte und Darstellung des Verlagswesens.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2005
Rezensentin Ursula Pia Jauch wirft zunächst die Frage in den Ring, ob die Geschichte der Enzyklopädie überhaupt noch einmal mit Gewinn erzählt werden könne, um sie dann mit ihrer Besprechung als einziges großes "Ja" zu beantworten. Denn Philip Blom bereichere die bereits immense Enzyklopädie des Wissens über die große Enzyklopädie um die "seelischen Narben" und kleinen Alltagsdetails derjenigen, die sie geschrieben hätten. So seien auch neue Gewichtungen entstanden wie bei der Frage nach der Freilassung Diderots. Nicht allein die bekannten wirtschaftspolitische Sachzwänge seien hier Ausschlag gebend gewesen, sondern auch, dass Diderot "schwach" und "geständig" geworden sei. Solche Details, berichtet die Rezensentin, machten aus Bloms Darstellung eine "Art Wissenschaftsroman". Schon im Untertitel hebe Blom außerdem den "verkanntesten Hauptlieferanten" Chevalier de Jaucourt hervor, der über siebzehntausend Artikel geschrieben habe, insbesondere den legendären über die Sklaverei. Nur manchmal, zückt die Rezensentin zuletzt doch den Kritikerstift, verliere sich Bloms "leicht und spannend" zu lesende Darstellung in "allzu sehr Bekanntem".
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  • Sammelwunder, Sammelwahn
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Sammelwunder, Sammelwahn

Szenen aus der Geschichte einer Leidenschaft

 

Die Andere Bibliothek/Eichborn, Frankfurt am Main 2003
ISBN-10 3821845376
ISBN-13 978-3821845371
Gebunden, 405 Seiten, 27,50 EUR


Klappentext
Warum häufen Menschen so viele Dinge auf, die sie nicht brauchen? Millionen von Sammlern geben sich einer Passion hin, die wahnhafte Züge annehmen und doch so hinreißende Triumphe feiern kann. Vielleicht handelt es sich um den heroischen Versuch, Ordnung - irgendeine Ordnung - in das Chaos der Erscheinungen zu bringen? Von den Wunderkammern und Kunstschränken der Renaissance bis zur Geburt des Museums und zum klassifikatorischen Raptus der neuzeitlichen Wissenschaft verfolgt der Autor die Geschichte dieser Obsession, die in der Demokratie die Massen ergriffen hat. Es gibt kein noch so phantastisches Objekt, das nicht die Begierde eines Sammlers erregt hätte. So sind Drachen und Kinderleichen, Schmetterlinge und Nägel vom Heiligen Kreuz ebenso gehortet worden wie unbezahlbare Gemälde und billige Plastikbecher.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.05.2004
Mit dem "Habitus und Duktus eines intellektuellen Promeneurs" machte sich Philipp Blom auf, den Hintergrund des Phänomens des Sammelns zu ergründen. Sein neues Buch, in dem er "kundig" den verschiedenen Facetten des "Kollektionierens" nachgeht, hat Rezensent Alexander Kluy begeistert. Mit "feingeistig lockerem" Esprit, "prächtig unterhaltend" werden die Geschichten und Geschichtchen von Sammlern wie Ulisse Aldrovandi, dem Habsburgerkaiser Rudolf II oder dem Architekten John Soane dargeboten. Ergänzt werden diese Sammler-Anekdoten von Reiseberichten und Archiverkundungen Blums. Dabei verzichtet der Autor auf "jegliches Theoretisieren", was ihm ein wenig zum Nachteil gerate. Denn über "sich häufende Oberflächlichkeiten" könne auch sein "geschmeidiger" Stil irgendwann nicht mehr hinwegtäuschen, kritisiert der Rezensent. Dafür aber ist das Werk ob seiner "hinreißenden" Ausstattung schon ein Genuss. Gestalter Franz Greno hat eine "schöne" venezianische Renaissance Schrift ausgewählt, die in Verbindung mit dem kompakten, aber "duftigen" Satzspiegel und dem "schönen festen" und kostspieligen Papier aus einem Buch eine "kleine Kostbarkeit" hat werden lassen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.05.2004
Ulrich Raulff konstatiert, dass das Thema Sammeln beziehungsweise Sammler seit 15 Jahren Konjunktur hat und wendet sich drei neuen Bänden zur Geschichte und Ästhetik des Sammelns zu. Dem Band von Phillip Blom über Sammler und das Sammeln attestiert er, "unterhaltsam" und "gefällig gemacht" zu sein. Allerdings bemerkt er, dass es sich bei den berühmten Sammlern, die der Autor seinen Lesern vorstellt, um die "üblichen Verdächtigen" handelt, über die bereits einiges zu lesen war. Das ganze Buch wirkt insgesamt "angelesen", und steuert kaum etwas bei, was das "Phänomen des Sammelns durchsichtiger" macht, so der Rezensent abschließend etwas unzufrieden.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.03.2004
Andreas Platthaus lobt diesen Band von Philipp Blom zunächst als "Fundgrube" und "Sammelsurium der unglaublichsten Kuriosa". Außerdem, lobt der Rezensent weiter, habe der Autor in diesem "prachtvoll gestalteten" und in eigener Übersetzung in der Anderen Bibliothek erscheinenden Buch nicht allein Szenen aus der Geschichte des Sammeln zusammengetragen, sondern auch "kluge Überlegungen zum Phänomen an sich" angestellt. Auch Bloms zentraler These, wonach es beim neuzeitlichen Sammeln um eine Suche nach Sinn gegangen sei, "nach der Möglichkeit, eine Grammatik zu erkennen, wenn nur genug Buchstaben und Wörter zusammenkommen", konnte der Rezensent etwas abgewinnen. Allerdings hätte sich der Rezensent etwas mehr Empirie gewünscht, etwa bei der zeitlichen Einordnung. Das Hauptmanko des Buches aber liegt für Platthaus darin, dass Bloms "ausgebreitetes Wissen" für ihn so "angelesen" wirkt, während "die Kunst lebendigen Sachbuchschreibens" für den Rezensenten darin besteht "das Gefühl zu erwecken, man wohne als Leser gerade der Verfertigung eines Gedankens bei."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.01.2004

Es gebe keinen passenderen Ort für dieses schöne Buch als die limitierte Reihe der "Anderen Bibliothek" des Eichborn-Verlags, schwärmt Susanne Ostwald, deren nummerierte Ausgaben bibliophile Sammlerherzen höher schlagen lassen ließen. Zumal es sich, wie in diesem Fall des von Philipp Blom verfassten Buches, um eine Kulturgeschichte des Sammelns handelt. Blom streift durch die Geschichte und sammelt die Geschichten von Sammlern, die naturgemäß exzentrisch und verrückt waren. Seine Sammlung setzt erst mit der Neuzeit ein, erklärt Ostwald, als das Sammeln zur privaten Leidenschaft wurde; vorher war es eine Domäne der Kirchen und Fürsten, die anhäuften, was kostbar erschien. Ab der Renaissance aber interessierte man sich plötzlich brennend für alles, was möglichst fremd und wunderlich schien, die Entdeckung neuer Kontinente heizte Phantasie, Wissensdurst und Tatendrang an. Sammeln half aber auch, weiß Ostwald, die neue, immer unübersichtlicher werdende Welt zu ordnen. Das Schöne an Bloms gelehrtem Streifzug durch die Kulturgeschichte sei jedoch sein eigener Hang zum Sammeln, meint Ostwald, und zwar von Anekdoten, die er höchst lebendig erzähle.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.12.2003
Nicht das gewöhnliche Sammeln interessiert Philip Blom in seiner Blütenlese, sondern, so Wilhelm Trapp, das "Extremsammeln". Bloms Zugriff ist nicht methodisch, nicht theoretisch und nicht konzeptgeleitet: er sammelt selbst, fasziniert von seinen Gegenständen, den großen Sammlern vor allem, denen im Chaos des Zusammengesammelten schon mal die Ordnung der Welt abhanden kommt. Das geht von Casanova, dem erotischen Sammler zu Peter dem Großen (als Sammler von Zähnen). Was den Sammler treibt, meint Blom, ist der "Wunsch nach Unsterblichkeit - oder die Lust an der Gegenwart". Nichtsdestoweniger, hält der Rezensent dagegen, ist es "immer der Tod, den man sammelt", um ihn genau dadurch zu überwinden. Trapp lobt das Buch als "elegante" Plauderei - nur ein paar "Schlampereien" hätte man ausbessern sollen. Und die "allzu betuliche Klugheit" des Autors gehe gelegentlich auch ein wenig auf die Nerven.
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  • Luxor
  • Rezensionen

Luxor


Tisch 7, 2006
ISBN-10 3938476117
ISBN-13 9783938476116
Kartoniert, 175 Seiten, 14,00 EUR

Klappentext

Pech, wenn man nach einem Unfall mit einer Kopfverletzung im Krankenhaus landet. Glück im Unglück, wenn man im Bettnachbarn einen Freund findet, mit dem man sich beim Schachspielen die Langeweile vertreiben kann. Dass aber nach der Zeit im Krankenhaus nicht der alte Trott von neuem beginnen kann, begreift der Held aus Philipp Bloms Erzählung erst nach dem Besuch eines Kinos. Es heißt Luxor und ist eigentlich geschlossen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.06.2006
Die Rezensentin Andrea Neuhaus mochte Philipp Bloms "reizvolle" Geschichte, in der der Ich-Erzähler sich in eine jugendliche Traumwelt zurückzieht. Nach einem Unfall erlebt der Protagonist als Filmheld eine Menge Abenteuer und führt dadurch ein Leben als Pirat und Supermann, das er sich als Kind immer gewünscht hat. Allmählich vermischt sich auch für den Leser die Grenze zwischen Fantasie und Realität, was die Rezensentin überhaupt nicht schlimm findet, im Gegenteil: Bloms Buch sei "ein subtiler Aufruf zu Subversion und Totalopposition", meint Neuhaus. Der Autor löse die Frage, ob die Geschichte nur im verletzten Kopf des Protagonisten geschieht, nie auf. Die Rezensentin bedauert dies, weil damit das Buch etwas an Substanz verliert und wie eine "Versuchsanordnung" wirkt. Tadel empfängt auch das Lektorat, das es versäumt hat, die manchmal allzu ungelenken Satzkonstruktionen des bisher auf Englisch publizierenden Blom zu glätten.
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  • Die Simmons Papiere
  • Rezensionen

Die Simmons Papiere

 


Berlin Verlag, 1997
Gebunden, 119 Seiten

Kurzbeschreibung

"Wie kann ein Lehrer seine Schüler anweisen, Phänomene zu analysieren, wenn er sich nicht einmal sicher sein kann, wie man sie buchstabiert, wo man sie finden kann, ob sie nicht schon morgen Fänomene wären oder Venomene oder eine andere fürchterliche Perversion?"